Rede zum Jom Ha-Azmaut 2026

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde und Gäste, sehr geehrte Mitstreiter des erfolgreichen Traumes namens „Zion“,

heute vor 78 Jahren wurde ein Traum Wirklichkeit, der fast zweitausend Jahre lang nur in Gebeten existierte. Heute feiern wir Jom Ha-Azmaut – die Unabhängigkeit des Staates Israel. Wir feiern den Sieg des Lebens über die Vernichtung und der Selbstbestimmung über die Ohnmacht.

Der Schatten über Deutschland und die Pflicht der Staatsräson

Doch während wir heute die blau-weißen Fahnen hissen, tun wir dies in einer Zeit, in der unsere Entschlossenheit weltweit auf die Probe gestellt wird. Wir blicken mit Sorge auf die Entwicklungen hier in Deutschland. Der Antisemitismus zeigt sich offen auf unseren Straßen und in unseren Institutionen.

Es ist schmerzhaft zu sehen, dass die „Staatsräson“ in der politischen Praxis Risse bekommt. Wenn Bundeskanzler Merz in entscheidenden Momenten zögerte und Israel die dringend benötigten Verteidigungsmittel verweigern wollte, dann steht dies im krassen Widerspruch zum historischen Versprechen dieses Landes, der vielbeschworenen Staatsräson.

Wahre Verantwortung zeigt sich nicht in wohlfeilen Reden, sondern in der Bereitstellung der Mittel, mit denen sich die einzige Demokratie im Nahen Osten gegen Barbarei verteidigen kann. Wenn Deutschland auf Bitten Israels Waffen liefert, ist das kein Akt der Aggression – es ist das notwendige „Nie wieder“ in der Praxis.

International stehen wir einer existenziellen Gefahr gegenüber. Das Regime in Teheran und seine Handlanger – die Spione und Kriegstreiber, die weltweit versuchen, Misstrauen zu säen und Anschläge zu planen, und sie auch mittels Drohnen auszuführen – verfolgen nur ein Ziel: die Vernichtung des jüdischen Staates. Doch unsere Antwort auf die Vernichtungswut des Iran ist unsere Stärke und unser unerschütterlicher Glaube an unser Recht, in Sicherheit zu leben.

Was diesen Staat so einzigartig macht, ist nicht nur seine Wehrhaftigkeit, sondern das, was er der Welt geschenkt hat. Israel ist das Land, das die Wüste zum Blühen brachte, das Wasser aus der Luft gewinnt und die Medizin revolutioniert hat.

Es ist eine bittere Ironie der Geschichte: Diejenigen, die lautstark zum Boykott Israels aufrufen, merken oft nicht, wie sehr ihr eigenes Leben von israelischem Geist durchdrungen ist. Wer Israel hasst, müsste konsequenterweise auf den USB-Stick verzichten, auf modernste medizinische Diagnosegeräte und auf die Mikroprozessoren, die unsere digitale Welt erst antreiben.

Sogar ein Mann wie Stephen Hawking, der sich gegen Ende seines Lebens dem akademischen Boykott Israels anschloss, konnte nur durch israelische Technologie überhaupt mit der Welt kommunizieren – denn die Computersysteme, die ihm seine Stimme gaben, wurden in Israel entwickelt. Es zeigt die moralische Überlegenheit dieses Staates: Israel rettet Leben und schenkt der Menschheit Fortschritt, selbst jenen, die es verleumden.

Um unsere weisen zu zitieren: Rabbi Joseph Telushkin erinnerte uns daran, dass ethisches Handeln und die Bewahrung jüdischen Lebens untrennbar verbunden sind. In der Tradition von Gelehrten wie Rav Kook oder Abraham Joshua Heschel wissen wir: Zionismus ist die moralische Verpflichtung, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

Wir lassen uns nicht beirren – nicht von denjenigen, die uns entwaffnen wollen, während wir angegriffen werden, und nicht von der Heuchelei derer, die unsere Technologie nutzen, während sie unser Existenzrecht bestreiten.

Heute feiern wir die Widerstandskraft eines Volkes, das niemals aufgibt. Möge das kommende Jahr ein Jahr des Sieges über den Terror und ein Jahr des echten Friedens durch Stärke sein.

Chag Ha-Azmaut Sameach! Am Jisrael Chai!