Ein Nachmittag voller Musik und gelebter Solidarität prägte das jüngste Benefizkonzert in der vollbesetzten Synagoge der IKG Bamberg. Das Gastspiel des Shalom Chores Berlin schlug eine kulturelle Brücke nach Israel: Der Reinerlös des Nachmittags kommt der israelischen Organisation „Shavim“ zugute, die Menschen mit psychischen und kognitiven Einschränkungen rehabilitiert.
Ein Plädoyer für den Zionismus der Tat
Der 1. Vorsitzende der IKG Bamberg, Martin Arieh Rudolph, eröffnete die Veranstaltung und verwies in seiner Ansprache auf die jüdische Ethik. Unter Bezugnahme auf die Schriften des bekannten Rabbiners Joseph Telushkin, der Telushkiner Raw, betonte Rudolph, dass die Welt nicht auf passivem Mitgefühl, sondern auf konkreten Taten der Güte (Gmilut Chassadim) aufbaue. Genau dies leiste die Initiative Shavim im Sinne von Tikkun Olam, derReparatur der Welt, indem sie traumatisierten Menschen – insbesondere nach den Ereignissen des 7. Oktober 2023 – Therapie, Arbeitsplätze und Würde zurückgibt.
Rudolph fand hierzu klare Worte: „Das ist gelebter, praktischer Zionismus. Und dieses Wort müssen wir heute, gerade in diesen Zeiten von Haß und Diskriminierung der einzigen Demokratie im Nahen Osten, Israel, ganz bewusst und mit Stolz in den Mund nehmen. Der Zionismus ist das fundamentale Versprechen auf Selbstbestimmung und Sicherheit. Er ist der Anker für die jüdische Seele – überall auf der Welt. Er bedeutet, dass ein geschundenes und traumatisiertes Volk das Recht hat, seine Geschicke in die eigene Hand zu nehmen und eine Gesellschaft aufzubauen, die niemanden zurücklässt – auch nicht die Schwächsten.“
Grußworte aus Politik und Gemeinde
Die Dritte Bürgermeisterin der Stadt Bamberg, Eva Jutzler, überbrachte die Grüße der Stadt und zeigte sich beeindruckt von der Qualität des Ensembles. Sie stellte in Aussicht, ein offizielles Konzert des Shalom Chores im Rathaus anzuregen. Martin Arieh Rudolph betonte in diesem Rahmen die Bereitschaft der Gemeinde, die Zusammenarbeit mit der Stadt in der Jugendarbeit weiter zu vertiefen.
Per Videobotschaft sprach Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG München und Oberbayern, zu den Gästen. Sie teilte ihre Sorge über den gegenwärtig zunehmenden Antisemitismus und unterstrich die Bedeutung solcher Kulturveranstaltungen mit einem Zitat von Rabbi Nachman: „Wo Worte aufhören, beginnt Musik.“

Musikalische Reise und jüdische Tradition
Unter der Leitung von Menachem Hemi Levison und begleitet von Natalia Gutman am E-Piano bot der Shalom Chor Berlin ein breites Repertoire aus jüdischer Liturgie und Folklore. Der Bogen spannte sich von den synagogalen Kompositionen Louis Lewandowskis bis hin zu moderner israelischer Poesie. Das Programm wurde von den Chormitgliedern Marianne Ludwig und Armin Hoffmann moderiert.
Besonders die traditionellen aschkenasischen Melodien berührten viele der Anwesenden tief. Nach dem offiziellen Programm und dem gemeinsamen, bewegenden Singen der Nationalhymne HaTikva bildete das lautstarke She-Hechejanu als Zugabe des Chors den Abschluss des musikalischen Teils.
Beim anschließenden Sektempfang unter dem traditionellen Motto „Redn bej essn un trinkn“ nutzten Gemeindemitglieder und Gäste die Gelegenheit zum Austausch bei koscheren Köstlichkeiten.
Dank an Unterstützer und Spendenaufruf
Ein solches Ereignis ist nur durch starke Partnerschaften möglich. Die IKG Bamberg dankt der Elsbachstiftung und der Sparkasse Bamberg für die großzügige finanzielle Unterstützung, dem Hotel Andres sowie dem gesamten internen Team der Gemeinde – von der Küche und Verwaltung über die IT bis hin zum Sicherheitsdienst WSDS und der Bamberger Polizei, die für einen sicheren und unbeschwerten Ablauf sorgten.
Nachdem der Erlös die Kosten für das Konzert bedauerlicherweise nicht deckte und „Shavim“ damit leer ausgegangen wäre, hat der Vorstand in seiner letzten Sitzung beschlossen, an „Shavim“ eine Spende aus Lehrhausmitteln in Höhe von 1.500 Euro über den Keren HaYessod auszukehren.
„Shavim“ (Hebräisch für „Gleiche“). betreibt in ganz Israel geschützte Werkstätten sowie urbane Integrationsbetriebe und leistet psychosoziale Begleitung, um Betroffenen den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Berufsleben zu ebnen.
Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann das Projekt weiterhin durch eine Spende unterstützen. Informationen hierzu sind auf der Webseite der Gemeinde unter www.orchajim.de zu finden. Zedaka rettet Leben.
Martin Arieh Rudolph, V.N.O., IKG Bamberg