„MAN WEIẞ FAST IMMER ETWAS ÜBER EIN VOLK, WENN MAN SEINE LIEDER KENNT“ (Leonard Bernstein)
Drittes Jüdisches Chorfestival in Mannheim am 21. Juni 2026
Wieder einmal war es so weit: Unser IKG-Chor „OR CHAIM“ machte sich am 20. Juni 2026 auf den Weg zum Dritten Jüdischen Chorfestival nach Mannheim, das am darauffolgenden Tag stattfinden sollte. Das Sozialreferat der ZWST und die Jüdische Gemeinde Mannheim hatten dazu deutschlandweit eingeladen. 14 jüdische Gesangsensembles, das Kinder-Trio „GLÖCKCHEN“ sowie die Wuppertaler Tanzgruppe „TIKWATEJNU“ sahen dies als Chance, ihr vielseitiges Können zu zeigen. Insgesamt kamen rund 240 Musikbegeisterte zusammen – das waren 100 Teilnehmende mehr als beim vorangegangenen Treffen in Duisburg.
Wir Bamberger hatten uns mit Fleiß seit einem Jahr fast jeden Mittwoch auf dieses Ereignis vorbereitet. Unser Chorleiter Dimitry Braudo (Toda raba, lieber Dimitry!) schuf dafür zwei mehrstimmige Arrangements altbekannter hebräischer Lieder: „OSEH SHALOM“ (trad.) und „HALLELUJA“ (den Siegersong des Eurovision Song Contests von 1979 von K. Oshrat und Sh. Orr).
Bestens vorbereitet und in freudiger Erwartung traten wir die gemeinsame Zugfahrt nach Baden-Württemberg an. Die Reise und die Unterkunft waren von Frau Marina Glasunova (Toda raba, liebe Marina!) wieder perfekt organisiert worden, sodass die mehrstündige Fahrt zum Mannheimer Hauptbahnhof reibungslos klappte. Trotz der enormen Hitze von zeitweise über 38 °C schafften alle wohlbehalten den Weg zum NYX-Hotel direkt gegenüber der Jüdischen Gemeinde Mannheim, dem Veranstaltungsort.
Nach dem Frischmachen im Zimmer war es Zeit für ein gemeinsames Abendessen in einem nahegelegenen griechischen Restaurant. Unser ortskundiges Chormitglied Esther Cohen hatte dort einen zauberhaften Platz reservieren lassen (Toda raba, liebe Esther!). Unter einer mit wilden Weinreben überdachten Pergola, die uns fast ein wenig Sukka-Feeling bescherte, durften wir mediterrane Köstlichkeiten genießen. Diese Einladung unserer Gemeinde war eine wunderbare Anerkennung für unsere intensive Chorarbeit, die auch von unserem IKG-Vorsitzenden Martin Arieh Rudolph und dem Vorstand stets mit ganzem Herzen unterstützt und befürwortet wird (unserer IKG ein herzlichstes Toda raba dafür!). Der Abend klang für einige mit einem Spaziergang am Neckarufer oder einem kühlen Getränk an der Hotelbar aus.
Nach ein paar Stunden Schlaf und einem gemeinsamen Frühstück, bei dem manche von uns durch einen längeren Feuerwehr-Fehlalarm erst so richtig wachgerüttelt wurden, ging es direkt hinüber in die Jüdische Gemeinde. Wie es unsere Esther schon in ihrem Dankesschreiben formuliert hatte, wurden wir dort in bestens klimatisierten Räumlichkeiten warmherzig willkommen heißen, elegant, stilvoll und beispielhaft umsorgt mit Getränken, leckeren Kuchen und israelischen Köstlichkeiten, sodass wir uns wie zu Hause fühlen konnten.
Frisch gestärkt ging es in den großen Gemeindesaal zum Soundcheck. Danach genossen wir das erfrischend fachmännische Einsingen mit Ekaterina Margolin aus Köln. „Katja“ ist die professionelle Nachfolgerin der leider viel zu früh verstorbenen Ella Verenina-Kämper sel. A. Ihr zu Ehren wurde im Verlauf des Programms ein eindrucksvolles Video gezeigt, das ihre strahlende Persönlichkeit und ihr exzellentes Wirken würdigte.
Der Direktor der ZWST, Aron Schuster, würdigte sie in seiner Ansprache und betonte, dass die Sehnsucht nach einem Ausgleich zu den negativen Herausforderungen der letzten Jahre immer drängender geworden sei. In Benni Bloch sel. A. sei deshalb einst die Idee eines Chorfestivals gewachsen. Ella sel. A. habe dieses Ereignis nicht nur mitgestaltet, sondern ihm ein „Gefühl von Jiddischkeit“ verliehen, die Seminare für Chorleitungen in Bad Sobernheim kreativ geprägt und als Förderin junger Menschen wertvolle Arbeit geleistet. Sie hinterlässt eine tiefe Lücke und bleibt unvergessen.
Seit zehn Jahren gibt es das Tanz- und Chorfestival nun im Wechsel. In Mannheim kamen die Chöre in diesem Jahr zum dritten Mal zusammen. Wir Bamberger können mit Stolz sagen, dass wir unter der Leitung von Dimitry bei allen drei Festivals mitwirken durften: 2018 in Frankfurt, 2024 in Duisburg und nun 2026 in Mannheim.
Für die Moderation und Programmgestaltung waren diesmal Frau Marat Uteshev und Frau Ekaterina Margolin zuständig. Elik Rojtstein spielte zwischen den Abschnitten auf seinem Akkordeon bekannte hebräische Folklore zum Mitsingen.
Zur Eröffnung sprach die erste Vorsitzende der IKG Mannheim, Prof. Dr. Deborah Kämper. Sie zollte dem Engagement der Teilnehmenden großen Respekt und betonte, wie das gemeinsame Singen wertvolle jüdische Traditionen und die Vielfalt religiöser wie weltlicher Weisen bewahrt. Sie wünschte einen wunderbaren Nachmittag und zitierte: „Wenn man spricht, versteht man… wenn man singt, fühlt man; denn Singen tut man nicht nur mit der Kehle, sondern auch mit der Seele. Diese jüdische Neshome lebt in euren Liedern weiter!“
Auch der Präsident der ZWST, Abraham Lehrer, fand tiefe Worte: Chöre seien „Botschafter der Gemeinden“, die Raum für Begegnung schaffen, Integration fördern und das Zugehörigkeitsgefühl stärken. Durch Auftritte in der Öffentlichkeit schüfen sie Brücken zur Mehrheitsgesellschaft, was in dieser Zeit wichtiger denn je sei. Er schloss schmunzelnd: „Denkt daran, jeder Einzelne von euch ist eine stimmgewaltige Musikbox! Ihr alle seid großartig und habt den ersten Preis verdient!“
Bürgermeister Thorsten Riehle überbrachte die Grüße der Stadt Mannheim. Er betonte, dass jüdisches Leben ein fröhliches Leben sei, das zur deutschen Kultur gehöre: „Das lassen wir uns von niemandem nehmen!“ Für diese klaren Worte erhielt er begeisterten Applaus. Er kündigte zudem an, dass im Oktober das städtische Ereignis „Mannheim singt“ stattfindet, bei dem der Chor der Jüdischen Gemeinde Mannheim zur Eröffnung singen wird.
Nach den Grußworten gehörte die Bühne den Chören. Der einheimische Chor „Tumbalalajka“ startet das Programm. Unser großer Moment schlug kurz vor der Pause an neunter Stelle. Trotz leichten Lampenfiebers rissen wir das Publikum mit unseren beiden Liedern mit; viele klatschten begeistert im Rhythmus. Später erhielten wir das schöne Kompliment, dass unser Chor einen ganz besonderen, eigenen Klangcharakter habe.
Danach folgte die dreiköpfige Gruppe aus Hamburg. Deren Leiter Gennadiy Tsypin hatte beim Frühstück spontan Notenblätter verteilt und uns um Unterstützung gebeten. Das taten wir natürlich gerne – ganz nach dem Motto „Einer für alle, alle für einen“ als Ausdruck gelebter Solidarität. Auch die Wuppertaler Tanzgruppe ragte heraus und entführte uns mit einer fließenden Choreografie in eine andere Welt, bevor es in die wohlverdiente Pause am reichhaltigen Buffet ging. Manche nutzten die Pause auch für einen Moment der Stille in der wunderschönen Synagoge.
Den zweiten Teil leitete Ekaterina Margolin wieder mit gemeinsamem Singen ein. Bei den folgenden fünf Chorbeiträgen, unter denen München und Köln mit außergewöhnlichen Interpretationen hervorstachen, verging die Zeit wie im Flug. Den Abschluss des Festivals krönte die Ehrung der Chorleiterinnen und Chorleiter. Nach dem gemeinsamen „Hineh Ma Tov Umanaim“ wurde die Veranstaltung mit der feierlichen, unter die Haut gehenden israelischen Nationalhymne „Hatikva“ offiziell beendet.

Beim anschließenden gemeinsamen Bühnenfoto posierten alle Mitwirkenden voller Stolz. Später durften wir dieses gelungene Bild sogar in der „Jüdischen Allgemeinen“ bewundern. Der Abend klang gemütlich bei Spaziergängen durch die von Springbrunnen geprägte Mannheimer Innenstadt, in der Eisdiele oder an der Hotelbar aus. Am nächsten Morgen ging es per Flixbus – diesmal ganz ohne Fehlalarm – wohlbehalten zurück in die fränkische Heimat. Als Resümee bleibt ein großes Dankeschön an alle helfenden Hände in Mannheim und Bamberg. Unser herzlichstes Toda raba – ihr alle verdient die Goldmedaille!
V.N.O., IKG Bamberg