Wenn der Herbst Einzug hält und das neue Jahr beginnt, stellt sich in unserer Gemeinde jedes Mal diese ganz eigene, vertraute Stimmung ein. Die Hohen Feiertage im Mobat Tischri, jetzt im neuen Jahr 5787, haben uns auch dieses Jahr wieder eng zusammengeführt – mit Momenten des Innehaltens, aber genauso mit packender Freude und echtem Gemeinschaftssinn.
Rosch ha-Schanah: Ein ruhiger Auftakt und voller Klang am zweiten Tag
Dass der erste Tag von Rosch ha-Schanah diesmal auf einen Schabbat fiel, gab dem Auftakt eine besondere Würde. Traditionell ruht das Schofar an Schabbat. Der Feiertag fühlte sich dadurch fast noch ein Stück getragener und besinnlicher an als sonst.
Der eigentliche, mit Spannung erwartete Schofarklang erfüllte die Synagoge dann am zweiten Tag. Es war wie jedes Jahr ein Gänsehautmoment, wenn die tiefen, weckenden Töne durch den Raum hallen und uns mahnen, zur inneren Einkehr zu finden. Am Nachmittag zogen wir schließlich gemeinsam zum Taschlich ans Wasser – ebenfalls am zweiten Tag –, um symbolisch die Fehler des alten Jahres abzuschütteln und in Form von Brotstückchen ins Wasser werfen, damit die Fische sie aufnehmen und weit davon tragen. So, dass wir rein in die kommenden Monate starten.

Jom Kippur: Tiefe Ergriffenheit und ein gemeinsamer Aufbruch
Mit dem Vorabend des 20. September brach der intimste und heiligste Tag des Jahres an. Viele Gemeindemitglieder trugen traditionell weiss und war es auch nur eine weisse Kippa.
Als Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl das Kol Nidre anstimmte, war es mäuschenstill in Der Synagoge. Die Melodie berührt jedes Mal aufs Neue, aber diesmal trug der Rabbiner das Gebet so ergreifend vor, dass kaum jemand unberührt blieb.
Im Anschluss nutzten viele Gemeindemitglieder die verbleibende Zeit des Abends für die Slichot-Gebete, um Vergebung zu bitten und das Herz zu erleichtern.
Der Tag von Jom Kippur begann morgens ab 10 Uhr mit dem Schacharit-G’ttesdienst. Es folgte ein langer, dichter Weg durch die Gebete des Tages: Das traditionelle Jiskor-Gedenken berührte die Gemüter, bevor die Intensität beim nachmittäglichen Mussaf- und Mincha-Gebet mit der Jona-Lesung noch einmal anstieg. Beim finalen Neila-Gebet, wenn die offenen Synagogentüren symbolisch die offenen Himmelsforen wiederspiegeln, gaben alle noch einmal ihre ganze Kraft hinein. Mit dem erlösenden, langen Schofarton endete das Fasten.
Das anschließende Ende des Fastens im Gemeindesaal hatte es in sich. Was die Küche da auf die Beine gestellt hatte, ging weit über das übliche „Anbeißen“ hinaus – es war ein regelrechtes Festmahl, das allen die Energie zurückgab.
Gut gestärkt saß man beisammen, tauschte sich aus und schmiedete schon direkt an den Tischen die ersten Pläne für das Anpacken beim Bau der Sukka.
Sukkot: Vom Lulaw in der Hand zum Fest unter dem Blätterdach der Sukka
Lange verweilen konnte die Hausmeisterei danach ohnehin nicht: In der gesamten Folgewoche wurde im Hof gezimmert und die Grundstruktur der Sukka errichtet. Am Freitag vor Erew Sukkot übernahmen dann traditionell die Kinder der Jugendgruppe von Frau Manastyrskaia gemeinsam mit ihren Eltern und weiteren engagierten Mitgliedern das Feintuning. Mit bunten Bändern, Bildern, Früchten und viel Gelächter verwandelte sich das Holzgestell in eine wunderschöne Laubhütte.
Nach dem Erew-Sukkot-G’ttesdienst und dem Kabbalat Schabbat am 25. September versammelten wir uns bei ausgesprochen bestem Wetter in der frisch geschmückten Sukka zum feierlichen Kiddusch.

Da aber auch der erste Tag Sukkot auf einen Schabbat fiel, gab es eine kleine Besonderheit im Ritus: Die vier Arten – Lulaw, Etrog, Hadassim und Aravot – blieben am Schabbat noch ruhen. Das erste traditionelle Schütteln des Lulaw fand daher erst am Sonntag, den 2. Tag Sukkot, statt.
Den krönenden Abschluss der Festperiode bilden nun Schemini Azeret mit dem Gedenken und das ausgelassene Simchat Tora, bei dem die Torarollen tanzend durch die Synagoge getragen werden.
Ein herzlicher Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, der Küche, der Hausmeisterei und natürlich Rabbiner Dr. Salomon Almekias-Siegl für diese unvergesslichen Tage.
Mögen wir alle für ein gutes, gesundes und friedvolles Jahr eingeschrieben sein!
Martin Arieh Rudolph, 1. Vorsitzender IKG Bamberg