Schabbatbetrachtung zur Paraschat Wajikra
Die Paraschat Wajikra (ויקרא) eröffnet das dritte Buch der Tora, das als Sefer Wajikra (Levitikus) bekannt ist. Der Name “Wajikra” bedeutet „Und Er rief“ – es ist das erste Wort der Parascha und verweist auf den Ruf G’ttes an Mosche aus dem Mischkan (Stiftszelt).
Die Bedeutung des Rufes
G’tt ruft Mosche auf eine besondere, intime Weise. In der hebräischen Schrift erscheint das letzte Alef von „Wajikra“ in verkleinerter Form, was darauf hindeutet, dass dieser Ruf nicht laut und öffentlich, sondern voller Demut und Liebe geschieht. Dies steht im Gegensatz zum Wort „Wajikar“ (ויקר), das in Bezug auf Bileam verwendet wird und eher eine zufällige Begegnung beschreibt.
Hier liegt eine tiefere Lehre: G’ttes Ruf an Mosche ist ein Zeichen der engen Beziehung zwischen dem Ewigen und Seinem Volk. Jeder Mensch wird in seinem Leben von G’tt gerufen – die Frage ist, ob wir auf diesen Ruf hören.
Opfer und spirituelle Nähe
Ein zentrales Thema der Parascha sind die Korbanot (Opfergaben), die im Tempel dargebracht wurden. Das hebräische Wort „Korban“ (קרבן) stammt von der Wurzel „karov“ (קרב), was „Nähe“ bedeutet. Dies zeigt, dass das Opfersystem nicht nur ein ritueller Akt war, sondern ein Mittel zur Annäherung an G’tt.
Heutzutage gibt es keine physischen Opfer mehr, aber wir können uns durch Gebet, Taten der Nächstenliebe und Tora-Studium G’tt annähern. Die Rabbiner lehren, dass unsere Worte und unser Tun an die Stelle der Opfer getreten sind.
Die Botschaft für den Schabbat
Der Schabbat ist eine Zeit der Nähe zu G’tt – eine Gelegenheit, Seinen Ruf in unserem Leben bewusst wahrzunehmen. Wajikra lehrt uns, dass wahre Heiligkeit nicht aus lauter Pracht entsteht, sondern aus einem leisen, ehrfürchtigen Dialog mit dem Ewigen.
Möge dieser Schabbat uns helfen, unsere Verbindung zu G’tt und unseren Mitmenschen zu vertiefen, indem wir auf den Ruf hören, den Er an jeden von uns richtet.
Schabbat Schalom!