Chanukka: Das Licht der Befreiung und der ewige Funke

Die Geschichte vom kleinen Krug Öl: Eine Betrachtung für die ganze Familie

Ansprache des Gemeindevorsitzenden, Martin Arieh Rudolph, zum Channukafest

Liebe Gemeindemitglieder, Familienangehörige, Gäste und Kinder,

Jedes Jahr, wenn die Tage am kürzesten sind und die Dunkelheit am längsten währt, zünden wir die Lichter der Chanukkia an. Wir feiern Chanukka, das Fest der Lichter, das uns an ein großes Wunder erinnert, das vor über 2.000 Jahren in Jerusalem geschah. Damals herrschten die griechischen Syrer über unser Land. Sie waren mächtig und wollten, dass wir Juden unsere Art zu leben aufgeben. Sie wollten uns zwingen, ihre Götter anzubeten und unsere heiligen Gesetze, die Tora, zu vergessen. Sie entweihten unseren heiligsten Ort, den Beit HaMikdasch (den Heiligen Tempel) in Jerusalem, und verboten uns, unsere Mitzwot (Gebote) zu erfüllen. Es war eine Zeit großer Dunkelheit für unser Volk.

Doch eine kleine Gruppe mutiger Juden, angeführt von Jehuda HaMakkabi und seinen Brüdern, den Makkabäern, weigerte sich, aufzugeben. Sie waren nur wenige, aber ihr Glaube an G’tt und ihre Liebe zur Tora waren stärker als die größte Armee. Sie kämpften für das Recht, jüdisch zu sein, und G’tt half ihnen, die mächtigen griechischen Syrer zu besiegen.

Das war das erste große Wunder: Das Wunder des Sieges der Wenigen über die Vielen. Als die Makkabäer den Tempel zurückeroberten, fanden sie ihn entweiht vor. Sie wollten sofort die Menora (den siebenarmigen Leuchter) wieder anzünden, die Tag und Nacht im Tempel brennen musste. Aber sie fanden nur einen einzigen kleinen Krug reinen Öls, der noch das Siegel des Kohen Gadol (Hohepriesters) trug. Dieses Öl hätte nur für einen einzigen Tag gereicht. Es dauerte acht Tage, um neues, reines Öl herzustellen. Trotzdem zündeten sie die Menora an.

Und dann geschah das zweite, das berühmte Wunder: Das Licht brannte nicht nur einen Tag, sondern acht volle Tage, bis das neue Öl fertig war. Deshalb feiern wir Chanukka acht Tage lang und zünden jeden Abend ein Licht mehr an. Wir tun dies, um das Wunder zu verkünden.

Das Licht in der Dunkelheit: Eine ewige Botschaft

Chanukka ist mehr als nur eine alte Geschichte. Es ist eine Botschaft, die uns heute noch ganz tief im Herzen berührt. Das Licht der Chanukkia erinnert uns daran, dass ein kleines Licht die größte Dunkelheit vertreiben kann. Es ist ein Symbol für unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Entschlossenheit, unsere jüdische Identität zu bewahren. Die griechischen Syrer wollten nicht unseren Körper töten, sondern unsere Seele. Sie wollten, dass wir aufhören, an G’tt zu glauben und unsere Traditionen zu leben. Sie wollten, dass wir uns anpassen und vergessen, wer wir sind. So wie das heute auch in Politik und Gesellschaft vorgelebt wird. Man will von uns, dass wir uns assimilieren und am besten unter den Völkern, bei denen wir leben und wohnen, oftmals viel länger als sie, aufgehen. Das werden wir aber nicht tun!

Denn die Makkabäer zeigten uns, dass wir niemals aufhören dürfen, für unsere Werte zu kämpfen. Sie kämpften für das Recht, die Tora zu studieren, den Schabbat zu halten und unsere Feste zu feiern. Der große Kommentator RaSchI (Rabbi Schlomo ben Jitzchak, er lebte im 11. Jh., also vor 900 Jahren) lehrt uns oft, dass die Tora und unsere Feste uns nicht nur die Vergangenheit erzählen, sondern uns auch für die Gegenwart und Zukunft lehren. Das Wunder von Chanukka ist ein Zeichen dafür, dass G’tt immer bei uns ist, wenn wir für das Richtige einstehen.

Die Widerstandsfähigkeit unseres Volkes

Leider wissen wir, dass die Dunkelheit uns auch heute noch manchmal bedroht. Wir erleben, dass es Menschen gibt, die uns hassen, nur weil wir Juden sind. Wir alle haben von dem schrecklichen Attentat in Sydney am 14. Dezember 2025 gehört. Seit dem größten Trauma seit der Shoah, den Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, macht uns dieser neuerliche Vorfall mit inzwischen 16 Toten, die am Strand von Sydney friedlich Chanukka feiern wollten, traurig  und wütend und es ist so unbegreiflich, das sman uns nicht in Frieden lassen will. Es erinnert uns schmerzlich daran, dass der Hass, der die Makkabäer vor 2.000 Jahren bedrohte, leider noch immer in der Welt existiert.

Aber gerade in solchen Momenten leuchten die Lichter von Chanukka am hellsten.

Was lehrt uns Chanukka in Anbetracht solcher Tragödien? Es lehrt uns:

  1. Wir geben niemals auf, was auch immer geschieht: Die Makkabäer waren umzingelt von Feinden, aber sie haben gekämpft und gewonnen. Auch wenn wir gehasst und verfolgt werden, werden wir immer Chanukka feiern. Wir werden unsere Lichter anzünden, weil sie ein Zeichen unserer Befreiung vom Joch derer sind, die uns unsere Identität nehmen wollen. Auch im Kampf um den eigenen Staat 1948 wurde das Motto für diesen Kampf eingeführt: Ejn brera – wir haben keine andere Wahl!
  • Wir sind ein ewiges Volk: Jeder Anschlag, jede Verfolgung ist ein Versuch, den Funken des jüdischen Volkes auszulöschen. Aber das Wunder des Öls, das acht Tage brannte, ist ein Versprechen: Der Funke wird niemals erlöschen. Unsere Traditionen, unsere Mitzwot, unsere Liebe zu G’tt und zur Tora sind unser unzerstörbarer Krug Öl.
  • Wir bringen Licht in die Welt: Wir antworten auf die Dunkelheit nicht mit mehr Dunkelheit, sondern mit mehr Licht. Jede Kerze, die wir anzünden, ist ein Akt des Widerstands gegen den Hass und ein Akt der Hoffnung für eine bessere Welt.

Die Rolle der Kinder und die Zukunft

Liebe Kinder, ihr seid die Zukunft unseres Volkes. Ihr seid die Flammen, die wir heute anzünden. Die Makkabäer kämpften, damit Ihr heute in Freiheit lernen und spielen könnt. Eure Aufgabe ist es, dieses Licht weiterzutragen.

Seid stolz auf eure jüdische Identität. Lernt die Tora und die Geschichten unseres Volkes. Zündet die Chanukkia mit Freude an. Jede Kerze, die ihr anzündet, ist ein Sieg über die Dunkelheit. Sie ist ein Beweis dafür, dass wir, das Volk Israel, trotz aller Herausforderungen, die uns die Geschichte auferlegt hat, niemals aufhören werden, das Licht der Tora in die Welt zu tragen. Lassen Sie uns gemeinsam die Brachot (Segenssprüche) sprechen und uns daran erinnern, dass G’tt Wunder für uns getan hat – damals und in unseren Tagen.

Liebe Kinder, ihr seid die Zukunft unseres Volkes. Ihr seid die Flammen, die wir heute anzünden. Die Makkabäer kämpften, damit Ihr heute in Freiheit lernen und spielen könnt. Eure Aufgabe ist es, dieses Licht weiterzutragen.

Seid stolz auf eure jüdische Identität. Lernt die Tora und die Geschichten unseres Volkes. Zündet die Chanukkia mit Freude an. Jede Kerze, die ihr anzündet, ist ein Sieg über die Dunkelheit. Sie ist ein Beweis dafür, dass wir, das Volk Israel, trotz aller Herausforderungen, die uns die Geschichte auferlegt hat, niemals aufhören werden, das Licht der Tora in die Welt zu tragen. Lassen Sie uns gemeinsam die Brachot (Segenssprüche) sprechen und uns daran erinnern, dass G’tt Wunder für uns getan hat – damals und in unseren Tagen.

Chag Urim Sameach! Ein frohes Lichterfest!

Martin Arieh Rudolph